GaloppIntern: Werner Krüger - Der ganz besondere Besitzer

Eigentlich hätte Werner Krüger genug Gründe, sich nicht ständig an sein erstes Rennpferd zu erinnern. Es war die vom Gestüt Haus Hahn gezogene und zunächst von Hans-Albert Blume trainierte Stute Unia (geb. 1988, Wauthi-Ulrike), die am 19.Mai 1991 in Hoppegarten erstmals für ihn lief und mit Jochen Potempa im Sattel hoffnungsvolle Zweite wurde. Uwe Stech hat sie für ihn trainiert.

Seitdem beschäftigt sich der Gründer und Chef der Germania Petrol GmbH in Berlin mit Rennpferden und sie laufen bis heute unter dem Namen Stall Unia Racing. Obwohl jene Unia für Krüger bei 17 Starts in vier Rennjahren nur ein Mal gewonnen hat: am 27.Juni 1993 in Halle an der Saale ein Hürdenrennen. Trainer war Albert Kästner und im Sattel saß Ronald Lenz. Krüger betrieb damals in Hoppegarten einen eigenen Stall mit Kästner als angestelltem Trainer. Drei Starts später nach einem vierten Platz in einem Klasse B Rennen in Hannover war die Karriere von Unia dann zu Ende. Auch die 1988 geborener Stute Novelda brachte es für Krüger nur zu einem Sieg in Dresden. Erste Kontakte zur Turfszene fand Krüger über den in der Wendephase in Hoppegarten populären Italo-Gastronomen Rodolf Berenyi.

Vier Pferde von Unia Racing stehen bei Yasmin Almenräder am Mülheimer Raffelberg. Darunter der 9-jährige Attalos, der 8-jährige Szoff (Dritter beim Mülheimer Renntag am 15.9.2018) und die Zweijährigen Halina und Groupie. Sechs Pferde – drei Dreijährige und drei Zweijährige – sind bei Andreas Wöhler.

Schon die beiden Senioren im Almenräder-Stall zeigen es: Werner Krüger denkt anders als Andere. „Bei mir kommt kein Pferd zum Schlachter.“ Auch deshalb gibt es in der Nähe des Raffelbergs eine Art Reha-Station mit zehn Boxen. Krüger hat das als Reiterhof genutzte Gelände gepachtet. Katja Helfenbein ist vor Ort zuständig, Kiki (Karl junior) Trybuhl hat die Oberaufsicht und wohnt mit seiner Lebensgefährtin und deren Sohn Tim auch dort. Seit der ersten Stunde „wohnen“ dort Arkando (2002) und die 2011 geborene Betsy Beauty, die als Fohlen eine Fraktur erlitt und trotzdem gerettet wurde. Sie ist nicht reitbar. Katja Helfenbein ergänzt: „In den anderen Boxen stehen Unia-Pferde, die einen neune Weg als Freizeitpferde einschlagen und darauf vorbereitet werden oder sich eine kleinen Auszeit vom Rennstall nehmen. Wir haben für ca. 20 Unia-Pferde einen tollen Platz gefunden. Das alles geschieht ohne jeden Zeitdruck, es müssen die richtigen Leute sein.“ Zu diesen Pferden zählen Telstar, Spitfire, Aconoro, Buratino, Classic Rock und Pistolero.

Am Raffelberg ist Kiki Trybuhl mit einem hochmotivierten Team der nicht minder motivierte „Rennbahn-Inspektor“. Bereits seit 26 Jahren arbeitet der Spross der großen Mülheimer Familie mit Werner Krüger zusammen, bereits bei Axel Kleinkorres in Neuss und vorher bei Hans-Walter Hiller in Issum kümmerte er sich um die Unia-Pferde. Sein Bruder Michael war bis zu seiner Erkrankung zehn Jahre lang für die Unia-Pferde verantwortlich.

Apropos Schlachter: bei einem Besuch im Hause des Luigi-Züchters Christoph Burmester in Celle saß man gemütlich im Wohnzimmer mit dem Blick auf die Koppel mit den Stuten. Eine davon sollte „aussortiert“ werden. Sie hieß Betsy Bay (geb. 1981, Bellypha-La Menandiere) und Werner Krüger hat sie damals für 3000 DM gekauft und 1995 mit ihr die Zucht begonnen. Erst nach fast geduldigen acht Jahren und vier Nachkommen mit bescheidenem Können hat er aufgegeben. Der erfolgreiche Unternehmer Werner Krüger (sein international tätiger Mineralöl-Großhandel mit 14 Mitarbeitern verbucht einen Jahresumsatz von bis zu 800 Millionen Euro) wurde nachdenklich und längst ist er zu der Erkenntnis gekommen: „Ich wurde sicher oftmals falsch beraten. Und züchten lohnt sich nicht.“

Werner Krüger steht zu seiner Philosophie der humanen Pferdehaltung. Als Rennstallbesitzer allerdings ist durch die Zusammenarbeit mit Andreas Wöhler (siehe oben) eine neue Zeitrechnung angebrochen.

Ungewöhnlich schwierige Situationen bringen oftmals auch bislang eher wenig an der Front tätige Persönlichkeiten in die Verantwortung. So geschehen in Mülheim. Im neugegründeten Rennclub von Mülheim an der Ruhr zählt Krüger zusammen mit Karl-Dieter Ellerbracke, Hans Bierkämper, Dr. Michael Bergmann, Jürgen Meyer und Günther Gudert zum „Großen Bellheim-Team“. Vor allem in der schwierigen Phase der überraschenden Insolvenz des trudelnden Rennvereins und in komplizierten Gesprächen mit der Stadt und dem alten Rennverein konnte der Berliner Unternehmer mit seiner Routine und dem Fachwissen punkten und hilfreich wirken. Man war wohl überrascht, wie clever Krüger agierte.

Die ersten großen Probleme sind zwar gelöst, doch das Ü70-Bellheim-Team vom Raffelberg (Bierkämper (77), Ellerbracke und Krüger jeweils 74, Gudert strebt die 70 am 11.Dezember 2018 an) hat Visionen: mit der zuvor auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen als jüngster Renn-Sekretärin aller Zeiten tätigen Ann-Kathrin Schweres (24) ist eine studierte PR-und Marketing-und Event-Fachfrau engagiert, die sich nicht nur um die Sponsoren, sondern auch um die Dritt-Events kümmern soll. Ein besonderes Augenmerk ist auf wettfreudige Asiaten gelegt. Ann-Kathrin Schweres ist mit Rennpferden und in der Szene aufgewachsen, ihr Vater war Trabrennfahrer.

Während Werner Krüger in den letzten Monaten mehrfach in Mülheim präsent war und dort auch sein Reha-Zentrum besucht hat, weilte er bei einer anderen, von ihm noch betriebenen Pferde-Seniorenstation noch nie: bei Herbert Blume in Thedinghausen bei Verden an der Aller stehen sechs Pferde: Die schon erwähnte Stute Novelda (geb. 1988, mithin 30 Jahre alt), Knightly Manner (geb. 1992), Arinella (geb. 1988 und auch 30 Jahre alt), Betsy Girl (geb. 1996, das erste Fohlen der Betsy Bay), Classic Queen (1996) und der Wallach Ballantines vom Jahrgang 2004 als Benjamin. Auf eines legt Krüger besonderen Wert: „Wir kümmern uns vorher um unsere Rentner und auch später. Katja hält ständigen Kontakt und wenn es klemmt, dann sind wir zur Stelle und im Notfall gibt es auch das Geld zurück.“

Rennpferde können faszinieren. Manchmal sind es auch die Menschen in diesem Sport, die erstaunen.

(24.09.2018)